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Agile Frameworks werden seit Jahren diskutiert, verglichen und kritisiert. Doch ein Großteil dieser Kritik basiert nicht auf fundierter Auseinandersetzung, sondern auf mangelhafter Umsetzung in der Praxis. Viele Unternehmen behaupten, Scrum oder SAFe eingeführt zu haben, in Wahrheit wurden lediglich alte Strukturen umbenannt. Die resultierenden Konstrukte wirken schwerfällig, widersprüchlich und oft dysfunktional – und werden dann fälschlicherweise dem Agile Framework selbst angelastet. Eine sorgfältige Agile Framework Bewertung muss daher immer zwischen Framework und Implementierungsfehler unterscheiden. Was im Unternehmen sichtbar ist, sagt wenig darüber aus, was das Framework eigentlich fordert.
Bei TechTalk sehen wir Software als Werkzeug, das in den Händen von Menschen und Teams das Potenzial hat, wahre Veränderungen zu bewirken.
Wir bringen nicht nur mehr als drei Jahrzehnte praktische Erfahrung in der Softwareentwicklung mit, sondern zeichnen uns auch durch unsere tiefe Verwurzelung in agilen Methoden und unsere ganzheitliche Projektumsetzung aus. Dabei verstehen wir uns nicht nur als Berater, sondern als Partner auf Augenhöhe für unsere Kund:innen, mit denen wir echte Wirkung in der Zusammenarbeit erzielen. Auf dieser Grundlage haben wir unsere Tipps zusammengestellt.
“So funktioniert Scrum in der Praxis: Der Projektmanager wird der Scrum Master. Der Business Analyst wird zum Product Owner. Entwickler bleiben Entwickler, Tester landen in der Qualitätssicherung. Das Backlog wird zur storified Version eines Requirements-Dokuments. Ob eine Story in einem 4-Wochen-Sprint fertig wird, spielt keine Rolle – Scope und Deadline stehen ohnehin fest. Kurz vor dem Release folgt ein Code Freeze, danach SIT/CAT, Bugfixing und Release.”
Diese Darstellung wirkt bekannt – und genau das ist das Problem. Viele Organisationen glauben, sie würden Scrum anwenden, obwohl zentrale Prinzipien vollständig fehlen. Transparenz existiert nur formal. Rollen werden zwar umbenannt, aber nicht in ihrer Verantwortung verstanden. Der Product Owner priorisiert nicht nach Wert, sondern sammelt und verwaltet Anforderungen. Der Scrum Master agiert nicht als Impediment-Remover oder Coach, sondern übernimmt administrative Aufgaben.
Wenn Agilität auf das Umbenennen von Terminen und Rollen reduziert wird, entsteht ein Pseudo-Scrum, das weder Ergebnisse verbessert noch echten Mehrwert liefert. In der Praxis führt das zu genau den beschriebenen Mustern: fixe Deadlines, unverrückbarer Scope, Code Freeze und nachgelagerte Testphasen – also klassisches Projektdenken in neuem Vokabular. Für die Beteiligten fühlt sich Scrum dadurch wie ein zusätzliches Meeting-Konstrukt ohne Wirkung an.
Dieses verzerrte Bild entsteht nicht durch das Agile Framework selbst, sondern durch das Ignorieren seiner Grundprinzipien. Scrum verlangt Mut zur Transparenz, klare Verantwortlichkeiten, Fokus auf Wertschöpfung und echte Zusammenarbeit. Werden diese Elemente nicht gelebt, bleibt von Scrum lediglich eine formale Hülle übrig – und genau diese Fehlanwendung führt bei Teams und Stakeholdern zu einer falschen Beurteilung des Frameworks.
“So funktioniert SAFe in der Praxis: Der Programm-Manager wird zum Produktmanager. Der Projektmanager wird zum Release Train Engineer. Product Owner agieren wie Business-Analysten. Plattform-Teams werden in Agile Teams umbenannt. Team-Leads werden zu Scrum-Mastern. Danach arbeitet alles daran, den im PI definierten Scope bis zum quartalsweisen Release-Termin abzuarbeiten.”
Diese Darstellung klingt wie die tägliche Realität vieler SAFe-Transformationen – und trotzdem hat sie praktisch nichts mit SAFe zu tun. Rollen werden neu benannt, ohne dass Verantwortlichkeiten wirklich verändert werden. Entscheidungen bleiben zentralisiert, Teams werden weiterhin überladen, und Wertströme existieren nur als bunte Linien im PowerPoint.
SAFe setzt auf Lean-Prinzipien, systemisches Denken und Klarheit über Wertflüsse. Es basiert auf der Annahme, dass gute Entscheidungen dort getroffen werden, wo das Wissen liegt. Doch ohne diese Haltung wird SAFe zu einer Sammlung neuer Titel, die nur das alte System stabilisieren. Genau deshalb entsteht der Eindruck, SAFe würde „bürokratisch“ wirken – obwohl in der eigentlichen Methodik der Schwerpunkt klar auf Entlastung, Fokus und Dezentralisierung liegt.
Beide Praxisbeschreibungen nutzen die richtige Terminologie, aber nicht die Prinzipien der Frameworks. Was dort entsteht, hat mit Scrum oder SAFe ungefähr so viel zu tun wie ein Gantt-Diagramm mit Agilität.
Agile Frameworks sind keine “Checklisten”, die man abarbeitet. Sie basieren auf Verhaltensänderungen, Prinzipien, Fokus und Lernzyklen. Wer nur die Oberfläche kopiert, erzeugt zwangsläufig ein Konstrukt, das für alle Beteiligten frustrierend wirkt. Eine professionelle Agile Framework Bewertung muss immer unterscheiden: Was ist das Agile Framework – und was ist das Resultat einer fehlerhaften Einführung?
Viele Menschen beurteilen Scrum ausschließlich auf Basis schlechter Implementierungen. Sie sehen Teams, die überfordert sind, Meetings, die sich sinnlos anfühlen, und Rollen, die ihre Aufgaben nicht erfüllen dürfen. Daraus entsteht der Eindruck, Scrum sei chaotisch oder ineffektiv. Doch in den meisten Fällen liegt der Fehler nicht im Agile Framework, sondern in Strukturen, die dabei im Weg stehen.
Scrum funktioniert nur, wenn die Organisation bereit ist, Verantwortung zu teilen, Entscheidungen dort zu treffen, wo die Expertise liegt, und echte Lernzyklen zuzulassen. Fehlen diese Grundlagen, entsteht zwangsläufig eine Fehlanwendung – und damit ein falsches Urteil.
SAFe ist noch stärker von Vorurteilen betroffen. Viele, die lautstark darüber urteilen, haben das Agile Framework nie wirklich verstanden oder erlebt. Oft stützen sich die Urteile auf halbgare Implementierungen oder stark vereinfachte Erklärungen.
SAFe wird häufig reduziert auf Meetings, Rollen und Artefakte – dabei ist der Kern ein klarer Fokus auf Wertströme, Flow, Lean-Agile Leadership und organisationalen Wandel. Wer SAFe nur in einer oberflächlichen oder politisch gefärbten Unternehmensversion erlebt hat, kann das Agile Framework nicht objektiv bewerten.
Wer SAFe objektiv bewerten möchte, braucht ein korrektes Bild – nicht eine durch Implementierungsfehler verzerrte Wahrnehmung. Ein professionelles Leading SAFe Training schafft genau diese Klarheit: Es trennt Mythos von Methodik und zeigt, wie SAFe tatsächlich gedacht ist – nicht, wie es häufig fehlerhaft eingeführt wird.
Schlechte Implementierungen sagen nichts über die Qualität eines Agile Frameworks aus – weder bei Scrum noch bei SAFe. Wenn ein Unternehmen Rollen nur umetikettiert, alte Entscheidungsstrukturen beibehält und agile Praktiken ohne Verständnis übernimmt, entsteht zwangsläufig ein Zerrbild. Bewertet wird dann nicht das Agile Framework, sondern die Summe aus kulturellen Blockaden, fehlender Ausbildung und widersprüchlichen Erwartungen.
Eine fundierte Agile Framework Bewertung muss deshalb immer beim Verständnis der Prinzipien beginnen: Welche Probleme soll das Framework lösen? Welche Denkmodelle und Werte stecken dahinter? Wie sehen Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege in der Soll-Welt aus – und was steht dem in der Ist-Welt entgegen? Erst wenn diese Lücke klar ist, kann seriös beurteilt werden, ob Scrum, SAFe oder ein anderes Agile Framework wirklich passt oder ob ein anderes Vorgehen sinnvoller wäre.
Gleichzeitig zeigt sich: Ohne qualifizierte Schulungen, eine klare Begleitung und echte Lernbereitschaft bleibt jedes Framework Stückwerk. Ob Scrum Master, Product Owner oder Führungskräfte im SAFe-Kontext – wer Entscheidungen trifft, ohne das zugrunde liegende Modell zu verstehen, verstärkt nur bestehende Probleme. Wer sich hingegen die Zeit nimmt, ein Agile Framework strukturiert zu erlernen, bekommt eine deutlich bessere Basis, um Implementierungen einzuordnen, Fehlentwicklungen früh zu erkennen und Agilität nicht nur zu behaupten, sondern tatsächlich zu leben.
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